Was nicht passt, wird grau gemacht: Lackieren für Anfänger

Für alle, die aus alt neu machen wollen, Veränderung in der Wohnung brauchen oder (wie ich) ein bisschen pingelig sind, was Farben und deren Harmonie untereinander angeht… Lasst uns gemeinsam den Lackierpinsel schwingen!


Tja, nur habe ich die neuen Stühle gekauft bevor ich wusste so sie in der neuen Wohnung einmal stehen sollen und wie es da aussehen würde. Also hatte ich nach dem Umzug und ersten Einrichtungsschritten nun eine Wohnung voller grau! Überall grau. Und ich liebe es. Nein, es ist nicht trist und es ist auch nicht langweilig. Es ist einfach nur schön. Nur ganz wenig Farbe mag ich in meinem Kleiderschrank ebenso wie in meiner Wohnung. Die paar vereinzelten Tupfer kommen dafür umso besser zur Geltung. So mag ich das. Holz darf gerne noch dazu – aber bitte schön „Ton in Ton“. Will heißen: ich achte zwar nicht darauf nur einheitlich eine Holzsorte in die Wohnung zu tragen, aber rotstichiges mit blassem Holz mischen, nein, das geht gar nicht. Vielleicht ein Tick, aber ich mag es einfach nicht. Also musste sich ganz schnell etwas an den Stühlen ändern und so kam die Anni dann zum Lackpinsel.Ich fang mal ganz vorne an und erzähl euch die Story vom Stuhl: Ich wollte für die neue Wohnung ganz unbedingt solche Stühle haben. Diese mit der schönen Sprossenlehne. Nur musste ich lange suchen, bis ich auch welche gefunden hab. Keine Ahnung woher alle anderen ihre scheinbar mühelos fischen, aber Karlsruhe schien mir ein spossenstuhlfreies Gebiet zu sein. Also hab ich getan, was ich immer mach, wenn ich offline nicht weiterkomme: Ich bin ins Internet gegangen. Und siehe da! Über Kleinanzeigen habe ich sogar ein richtiges Schnäppchen gemacht und zwei für je 10 Euro bekommen. Die Freude war groß, auch wenn sie schon ganz schön vermackt waren. Egal, ich hatte endlich meine Sprossenstühle! Dass wir inzwischen ein Stuhlsammelsurium von über über 19 Stühlen haben und gar nicht mehr wissen wohin damit, das war mir erst mal egal. Ich bin nämlich nicht nur ein großer Kleinanzeigen-Jäger sondern auch Verkäufer. Theoretisch zumindest. Praktisch mag ich meine Stühle aber sehr gerne. Also bleibt der Keller erst mal schön voll und falls mal wer sitzen mag, hab ich sogar Auswahl…

Vorher-Bild
Das „Vorher“ Bild: zerkratzt und mit Flecken

Neue Farbe für den Stuhl – so geht’s

Wie immer, wenn ich heimwerkern will, bin ich auch mit dem Projekt Codewort GRAU in den Baumarkt meines Vertrauens marschiert und habe dort mein Vorhaben geschildert. Wunderbar beraten und mit frisch aufgeschütteltem Lack, kam ich zurück. Ich habe dort gelernt, dass man für rundes Holz immer auch runde Pinsel nimmt, dass gut umrühren (oder eben noch besser schütteln) bei Lack die halbe Miete ist und dass das Schleifpapier ganz fein gekörnt sein sollte (120 reicht, alles andere kratzt so tief, dass es am Ende sichtbar bleibt). Aha, na dann mal ran ans Werk!

Lack und Pinsel

Was ihr außer Pinsel und Lack (unbedingte Empfehlung für Acryllack – der basiert auf Wasser und somit lässt sich der noch feuchte Pinsel später einfach unter Seifenwasser wieder lupenrein ausspülen) noch braucht, ist Abdeckungsmaterial für den Boden, Schleifpapier, eine Farbwanne und wer mag nimmt noch Handschuhe dazu. Zwar lässt sich der Lack auch abwaschen, aber wenn er lange an den Fingern antrocknet, muss man schon ganz schön schrubben bis alles weg ist.

Step 1 ist dann aber erst mal das Schleifen. Der alte Lack muss angeraut werden, damit der neue halten kann. Ganz so gründlich wie beim ersten Stuhl hab ich beim zweiten schon längst nicht mehr den alten Lack wegpoliert. Dazu bin ich einfach zu ungeduldig. Hat auch gut geklappt. Wichtig ist nur den kompletten Schleifstaub dann auch wieder mit einem feuchten Tuch zu entfernen.

 

Der Aha-Moment: Das ist ja ganz einfach!

Jetzt kommt Farbe ins Spiel. Die Füße und die Lehne habe ich bei Stuhl Numero 1 mit dem Pinsel lackiert und habe eine gefühlte Ewigkeit dafür gebraucht… Da hätte mich beinahe die Lust verlassen. Was war das für ein Aha-Moment, als ich die kleine Rolle für die Sitzfläche zum ersten Mal benutzt habe. Ab da war klar: Mit dem Pinsel bereite ich nur noch die Ecken und Winkel vor – der Rest (ja, auch rundes Holz) geht ganz prima mit der kleinen Lackrolle. Ha! Und ab da war ich ins Lackieren verliebt. Im Nullkommanix haben Möbel die Idealfarbe und passen wunderbar zum Rest. Das geht so einfach, dass ich seither auch noch ein altes Regal ergrauen hab lassen und was jetzt nicht bei drei aufm Baum ist, wird auch grau werden. Wieso genau ich immer dachte das sei ein Hexenwerk, das weiß ich jetzt auch nicht mehr so genau…

Wichtig ist nur vorher schon gut zu planen wo ihr anfangen wollt, damit man nicht jede Seite einzeln komplett durchtrocknen lassen muss und wo das gute Stück dann zum Trocknen stehen bleiben kann. Denn bis der Lack trocken ist, geht ein bisschen Zeit ins Land. Ach ja… Und auf Grundierung kann man getrost verzichten, wenn man nicht das blanke Naturholz streichen will.
Wer wie ich im Freien lackieren will, sollte darauf achten, dass die Umgebung nicht staubig ist, und es möglichst windstill ist. Aufgewirbelter Staub und Dreck oder ganze Blätter machen sich nämlich gar nicht gut im mühevoll herbeigezauberten makellosen Lack, auch wenn ich den namen „Lackläuse“ so niedlich finde, dass ich ein paar davon akzeptieren könnte.

Das Ergebnis

Dass ein gewisser Kaffeehersteller kurz nach meinem Kauf genau solche Stühle in seinem Sortiment hatte, hat mich zunächst wahnsinnig geärgert. Jetzt hab ich aber zwei Stühle, die nicht nur einen Bruchteil der anderen gekostet haben, sondern ich weiß auch, dass sie nicht aus einer Fabrik kommen, sondern echt alte Teile sind, wo sie vorher gewohnt haben und alles, was man selbst gemacht hat, wächst doch gleich viel mehr ans Herz. So schnell kommt mir kein anderer Stuhl an den Küchentisch!

Apropos Küche… Ich weiß ich bin euch noch Bilder von der neuen Wohnung schuldig. Die kommen bald. Versprochen! Seit letzter Woche hängt nämlich auch die letzte Lampe, die Einweihungsparty ist gefeiert und jetzt bin ich bereit für Bilder aus den neuen 4 Wänden.

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5 Kommentare

    • fürs sprühen hab ich kein so besonderes talent – zumindest nicht, wenns nicht nur was kleines oder eindimensionales ist. vielleicht lags aber auch am lack? ich sollte es bei gelegenheit mal wieder testen 😉

  1. Ha! Du bist auch ein kleiner Stuhlfetischist, das finde ich fabelhaft! Bei uns stehen immer noch wunderschöne Kaffeehausstühle mit geflochtener Sitzfläche im Keller, ohje… Das Grau sieht toll aus und macht die sprossenbelehnten Stühle noch schöner!
    So, jetzt möchte ich bitte etwas lackieren…
    Alles Liebe, Constanze

  2. Hi Anni,
    was für eine sagenhaft ausführliche Anleitung. Wenn man gutes Werkzeug hat, klappt es auch mit dem Anstrich. Deine Stühle sind super geworden und sehen sehr chic aus. Ich liebe grau, gepaart mit Holztönen sowieso!
    Herzliche Grüße
    Cora

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