Atelierbesuch bei Kulör. Heimatliebe #21

Funkelnde Augen hat Sabrina, wenn sie über ihre Arbeit spricht. Da ist jemand mit Herzblut dabei. Das spürt man sofort, wenn man das Atelier von KULØR in der schönen Oststadt Karlsruhes besucht. Es hat sich versteckt hinter einer unscheinbaren Fassade, schräg gegenüber vom Café nun, wo ich schon so oft Schlange stand und dabei nicht geahnt habe, dass dort im Innenhof so viel Kreativität steckt.

Sabrina fackelt auch nicht lange, sondern zeigt mir etwas, worüber ich noch nie wirklich nachgedacht hatte: Wie entsteht denn eigentlich Keramik?

Das Handwerk

Es ist ein langer Weg vom ersten Versuch bis zum fertigen Produkt. Zuerst muss eine Gipsform her, in die das flüssige Porzellan eingefüllt wird. Ist die Mutter-Form perfekt, kann es losgehen mit der Produktion. Flüssige Masse wird hineingefüllt und der Gips beginnt sofort mit seinem Teil der Arbeit: er saugt Wasser aus der Masse und sorgt dafür, dass sich die festen Bestandteile an der Formwand ablagern. Je länger die Masse in der Form bleibt, umso dicker wird die Porzellanform. Also Timer stellen und warten. Überhaupt ist es eine Arbeit, die viel Geduld und Geschick erfordert. Bei Sabrina sitzt jeder Handgriff und es sieht schon beinahe einfach aus. Doch hier hat Übung den Meister gemacht und während ich nur noch staunen kann, schenkt sie mir mit herrlichem Understatement ein fröhliches Lächeln. Viele Male wird sie noch Hand anlegen, bis das eben gegossene Schälchen dann gebrannt, die Innenseite glasiert und die Außenseite matt geschliffen ist. Doch die viele Arbeit lohnt sich.

Die Leidenschaft

Wer einmal gesehen hat, mit wie viel Liebe diese Produkte in echter Handarbeit entstehen, kann sich sehr gut vorstellen, dass der persönliche Bezug zu jedem einzelnen Stück groß ist. Kein Wunder also, dass Sabrina mir dann erzählt, wie viel Freude sie daran hat, an ihrem Stand auf Messen zu sehen, wer die Unikate mit nach Hause nimmt.

Auch bei mir sind zwei davon eingezogen: Ein graues und ein wunderbar mintfarbenes Becherlein erinnern mich nun ständig daran wie schön es ist, für eine Sache zu brennen. Denn die Leidenschaft, die hier in der Luft liegt, hat mich schwer beeindruckt.

Die Farben

Entstanden ist die Idee zur ersten Kollektion während Sabrinas Studienzeit in Dänemark. Dort hat sie ausgiebig mit dem Material Biskuit Porzellan experimentiert und sich vor allem mit der Färbung beschäftigt. Das Besondere ist nämlich, dass die Pigmente direkt im Porzellan stecken, statt nachträglich aufgetragen zu werden. Und solange es flüssig ist, kann man nur raten, was am Ende dabei rauskommen mag. Also ist ein erster Schritt immer erst das Experimentieren mit Farben. Und weil den Farben so viel Aufmerksamkeit zukommt, weist auch der Name des Labels darauf hin.

Als an der Hochschule ein Weihnachtsmarkt vor der Tür stand und Sabrina in der Heimat zu Besuch bei ihrem Opa war, hielt sie dort ein altes Kristall-Glas in der Hand. Damit war die Form für das erste Windlicht geboren, das es auch heute noch zu kaufen gibt.

© Sabrina Kuhn

Inzwischen haben sich Vasen, Becher, Lampen, Schmuck und noch viel mehr dazu gesellt und bilden gemeinsam ein pastellfarbenes, harmonisches Spektrum an Porzellan-Schätzen.

© Sabrina Kuhn

Karlsruher Talente

Für mich ist es natürlich doppelt und dreifach spannend, dass Sabrina nicht nur den Mut hat, sich mit ihren eigenen Produkten ein Atelier zu mieten und einfach mal zu probieren ob es klappen wird. Nein, sie tut es hier in Karlsruhe. Gemeinsam haben wir uns darüber gefreut, dass immer mehr junge Künstler und Kreative auch nach dem Studium hier bleiben und die Kreise immer größer werden. Das gilt es zu unterstützen! Wer also neugierig geworden ist, der kann unten weiterklicken oder beim Family Tree Shop in der Rüppurer Straße vorbeischauen, um sich dort ein eigenes Exemplar zu ergattern.

 KULØR :  Website | Facebook | Kaufen via Selekkt 

Und zu guter Letzt: Liebe Sabrina, vielen Dank für die spannenden Einblicke und deine offenen Antworten auf meine neugierigen Fragen. Es war mir eine Freude.

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5 Kommentare

  1. Voll schön!
    Gefällt mir total gut, was Sabrina macht und ich hätte auch nicht wiederstehen können und mir ein paar schöne Teile mit nach Hause nehmen müssen.
    Wenn da so viel Mühe, Liebe undHerzblut drin steckt 🙂

    Ganz viele liebe Grüße

    Franzy

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